Häufig herrscht Unklarheit darüber, ob man eine einfache Übersetzung, eine beglaubigte Übersetzung (bzw. bestätigte Übersetzung) oder gar eine beglaubigte Übersetzung mit einer Apostille benötigt. Mit diesem Blog-Eintrag möchte ich ein wenig Licht ins bürokratische Dunkle bringen.

Was ist eine beglaubigte Übersetzung?

Eine umgangssprachlich genannte beglaubigte Übersetzung ist eine bestätigte Übersetzung, die zur Vorlage bei Behörden, Ämtern, Gerichten, Schulen, Hochschulen und anderen Institutionen benötigt wird. Die Übersetzung wird von einem beeidigten Übersetzer unterschrieben, womit die inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit der Übersetzung bestätigt wird. In der Regel fügt der beeidigte Übersetzer noch seinen Stempel hinzu.

In der Regel kann Ihnen die Stelle, für die sie die Übersetzung benötigen, mitteilen, ob die Übersetzung bestätigt werden muss oder nicht.

► Mehr über die Eigenschaften einer beglaubigten Übersetzung finden Sie in meinem Blog-Eintrag Woran erkennt man eine amtlich beglaubigte Übersetzung? Wo finde ich einen professionellen beeidigten Übersetzer?

► Vereidigter Übersetzer, beeidigter Übersetzer, ermächtigter Übersetzer, öffentlich bestellter Übersetzer, amtlich bestellter Übersetzer, gerichtlich bestellter Übersetzer, beglaubigter Übersetzer … – Wer soll da noch durchblicken? In meinem Blog-Eintrag Der Unterschied zwischen „vereidigter Übersetzer“ und „beeidigter Übersetzer“ erkläre ich Ihnen, weshalb es diese ganzen Bezeichnungen gibt. Spoiler: Auch wenn sich die Bezeichnungen unterscheiden, gibt es de facto keinen Unterschied.

► Schon gewusst? Eine beglaubigte Übersetzung erhalten Sie bei mir nicht nur in ausgedruckter Ausfertigung sondern auch digital mit qualifizierter elektronischer Signatur (QES) im PDF-Format. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Blog-Eintrag Beglaubigte Übersetzung als PDF-Dokument: digital und online

Was ist eine Apostille?

Wenn wir von einer Apostille sprechen, meinen wir genau genommen die sogenannte Haager Apostille. Es handelt sich hierbei um eine Überbeglaubigung im internationalen Urkundenverkehr. In Ländern die dem Haager Übereinkommen Nummer 12 zur Befreiung ausländischer öffentlicher Urkunden von der Legalisation angehören, wird eine Apostille zur Überbeglaubigung ausgestellt, damit das Dokument auch im Ausland anerkannt wird. Eine Übersicht über alle Länder weltweit, die dem Abkommen angehören, finden Sie auf der Website der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht eine globale zwischenstaatliche Organisation, kurz HCCH.

Benötige ich eine beglaubigte Übersetzung mit Apostille?

Muster einer Apostille
Muster einer Apostille
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Eine beglaubigte Übersetzung mit Apostille wird in der Regel benötigt, wenn die beglaubigte Übersetzung für das Nicht-EU-Ausland erstellt werden soll.

Ist Ihr Dokument auf Deutsch verfasst und Sie benötigen die Übersetzung für das Ausland?

Benötigen Sie die beglaubigte Übersetzung für das EU-Ausland, wird keine Apostille erfordert. Für Nicht-EU-Länder benötigen Sie eine Apostille für die beglaubigte Übersetzung. Eine Apostille von mir angefertigter Übersetzungen erhalten Sie über das Oberlandesgericht Zweibrücken. Nachdem Sie meine beglaubigten Übersetzungen erhalten haben, versenden Sie die beglaubigten Übersetzungen, Ihre Originaldokumente und ein einseitiges Formular an das Oberlandesgericht Zweibrücken. Beim Ausfüllen des Formulars unterstütze ich Sie sehr gerne. Das Oberlandesgericht Zweibrücken bestätigt meine Eigenschaft als ermächtigter Übersetzer und leitet alle Dokumente an das Landgericht Zweibrücken weiter, wo meine Übersetzungen legalisiert werden (in der Regel in Form einer Haager Apostille). Anschließend erhalten Sie alle Dokumente postalisch zurück. Die anfallenden Gerichtskosten werden Ihnen durch die Landesjustizkasse Mainz in Rechnung gestellt.

Ihr Dokument auf einer Fremdsprache verfasst und Sie benötigen die Übersetzung für Deutschland?

Stammt Ihr Dokument aus einem EU-Land, wird keine Apostille für die beglaubigte Übersetzung benötigt. Auch für Dokumente die aus dem Nicht-EU-Ausland stammen, benötigen Sie keine Apostille für die beglaubigte Übersetzung.

Wichtiger Unterschied: Originaldokument versus Übersetzung

Auch wenn Sie für die beglaubigte Übersetzung keine Apostille benötigen, muss Ihr Originaldokument eventuell vor Erstellung der Übersetzung mit einer Apostille versehen werden. Diese Apostille muss ebenso übersetzt werden. Innerhalb der EU sind Personenstandsurkunden von der Pflicht ausgenommen, eine Apostille zu tragen (siehe Artikel 2 der Verordnung (EU) 2016/1191). Zu den Personenstandsurkunden zählen unter anderem Geburtsurkunden, Ledigkeitsbescheinigung, Familienstandsbescheinigungen, Sterbeurkunden, Eheurkunden, Ehefähigkeitszeugnisse, Scheidungsurkunden und Meldebescheinigungen. Bitte informieren Sie sich darüber, ob Sie eine Apostille benötigen, vor Ihrer Übersetzungsanfrage.

Der genaue Wortlaut des oben verlinkten Artikels 2 der EU-Verordnung 2016/1191 sagt aus, dass für folgende Urkunden innerhalb der Europäischen Union keine Apostille benötigt wird:

(1)   Diese Verordnung gilt für öffentliche Urkunden, die von den Behörden eines Mitgliedstaats gemäß dessen nationalem Recht ausgestellt werden, den Behörden eines anderen Mitgliedstaats vorgelegt werden müssen und in erster Linie dazu dienen, einen oder mehrere der folgenden Sachverhalte zu belegen:

a) Geburt;
b) die Tatsache, dass eine Person am Leben ist;
c) Tod;
d) Namen;
e) Eheschließung, einschließlich Ehefähigkeit und Familienstand;
f) Ehescheidung, Trennung ohne Auflösung des Ehebandes oder Ungültigerklärung einer Ehe;
g) eingetragene Partnerschaft, einschließlich der Fähigkeit, eine eingetragene Partnerschaft einzugehen, und Status der eingetragenen Partnerschaft;
h) Auflösung einer eingetragenen Partnerschaft, Trennung ohne Auflösung der eingetragenen Partnerschaft oder Ungültigerklärung der eingetragenen Partnerschaft;
i) Abstammung;
j) Adoption;
k) Wohnsitz und/oder Aufenthaltsort;
l) Staatsangehörigkeit;
m) Vorstrafenfreiheit, sofern öffentliche Urkunden darüber für einen Unionsbürger von den Behörden des Mitgliedstaats, dessen Staatsangehörigkeit dieser Bürger besitzt, ausgestellt werden.

(2)   Diese Verordnung gilt auch für öffentliche Urkunden, deren Vorlage von Unionsbürgern verlangt werden kann, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt in einem Mitgliedstaat haben, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen, wenn diese Bürger ihr aktives oder passives Wahlrecht bei den Wahlen zum Europäischen Parlament oder bei Kommunalwahlen in dem Mitgliedstaat, in dem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, unter den Bedingungen der Richtlinie 93/109/EG bzw. der Richtlinie 94/80/EG des Rates ausüben möchten.

Quelle: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A32016R1191#d1e607-1-1

Und was ist mit Ländern, die nicht dem Haager Abkommen angehören?

Auch in diesem Fall muss die Übersetzung überbeglaubigt werden. In diesem Fall geschieht das aber nicht per Haager Apostille, sondern Legalisation. Je nach Zielland, sieht das Vorgehen anders aus. Ob eine Legalisation erforderlich ist, erfahren Sie von der ausländischen Stelle, bei der die deutsche Urkunde vorgelegt werden soll. Die Legalisation wird von der diplomatischen oder konsularischen Vertretung des betreffenden ausländischen Staates in Deutschland vorgenommen. Weitere Informationen zur Überbeglaubigung, Haager Apostille und Legalisation finden Sie auf der entsprechenden Webseite des Auswärtigen Amts.

Sie benötigen einen ermächtigten/vereidigten/beeidigten Übersetzer?

Falls Sie eine beglaubigte Übersetzung zur Vorlage vor einer Behörde benötigen, freue ich mich auf Ihre Anfrage! In den Sprachen Deutsch, Spanisch und Polnisch bin ich Ihr direkter Ansprechpartner. Für alle anderen Sprachen vermittele ich Sie an einen kompetenten Partner. Ich freue mich auf Ihre Anfrage!

► Ich benötige eine beglaubigte Übersetzung Spanisch-Deutsch/Deutsch-Spanisch

► Ich benötige eine beglaubigte Übersetzung Polnisch-Deutsch/Deutsch-Polnisch

► Ich benötige einen ermächtigten/beeidigten/vereidigten Dolmetscher Spanisch-Deutsch/Deutsch-Spanisch

Thomas Baumgart ist Konferenzdolmetscher und Übersetzer für Spanisch, Polnisch und Deutsch. Fachgebiete sind Industrie, Technik (IT) sowie Landwirtschaft & Ernährung. Im Blog eines Brückenbauers berichtet er von seinem Berufsalltag als Übersetzer und Dolmetscher und weiteren damit verbundenen Themen.

5 Kommentare zu „Beglaubigte Übersetzung mit Apostille: Brauche ich das?“

  1. Ich möchte eine Urkunde de übersetzen lassen. Gut zu wissen, dass die Apostille für nicht EU-Länder benötigt wird. Ich werde schauen, dass ich diese gleich mitmachen werde.

  2. Hallo Thomas,
    ich würde gerne wissen, ob man auf eine beglaubigte Übersetzung nachträglich eine Apostille setzen kann. Sprich, kann ich mit der beglaubigten Übersetzung zum Gericht gehen? Oder ist nur derjenige Übersetzer dazu berechtigt, der die Übersetzung angefertigt hat?
    Vielen Dank im Voraus!
    Anna

    1. Hallo Anna,

      vielen Dank für die Frage. Das unterscheidet sich sicherlich von Bundesland zu Bundesland. In Rheinland-Pfalz, dem Bundesland in welchem ich arbeite, besteht die Möglichkeit, nachträglich eine Apostille auszustellen. Dafür kontaktiert man das Oberlandesgericht, das die Beeidigung des jeweiligen Übersetzers vorgenommen hat. In meinem Fall wäre es das das Oberlandesgericht Zweibrücken. Das heißt, mit einer von mir bestätigten Übersetzung kann der Kunde oder die Kundin nachträglich noch das Oberlandesgericht Zweibrücken kontaktieren, um eine Apostille zu erhalten.

      Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

      Viele Grüße
      Thomas Baumgart

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