Falsche Freunde im Deutschen und Spanischen (Teil 2)

Falsche Freunde Teil 2

Als falsche Freunde bezeichnet man Wortpaare aus verschiedenen Sprachen, die zwar sehr ähnlich aussehen, aber in ihren jeweiligen Sprachen eine unterschiedliche Bedeutung haben. Man kennt das Phänomen der false friends oder faux amis vielleicht noch aus dem Englisch- oder Französischunterricht. In diesem Blogeintrag geht es jedoch um die falsos amigos, die falschen Freunde im Deutschen und Spanischen. In jedem Teil der dreiteiligen Serie stelle ich Euch zehn falsche Freunde vor, auch wenn es natürlich weit mehr als nur 30 Beispiele gibt.

Als Grundlage der Erklärungen wurden auf deutschsprachiger Seite die Einträge im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) und Duden genutzt, für die spanischen Begriffserklärungen nutzte ich das Diccionario de la lengua española der Real Academia Española und Diccionario Etimológico castellano en línea.

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Compás – Kompass:

Als compás wird im Spanischen der Rhythmus oder Takt eines Musikstücks bezeichnet. Das Wort lateinischen Ursprungs setzt sich aus com („mit“) und passus („Schritt“) zusammen: Dadurch, dass man sich an den compás hält, hält man Schritt.

„Kompass“ hat denselben Ursprung wie compás, wird jedoch im Deutschen mit der Bedeutung ‚Gerät zum Bestimmen der Himmelsrichtung‘ verwendet und stammt vom italienischen compassare („abmessen“, „rundum abschreiten“). Der deutsche Kompass heißt im Spanischen brújula.

Complemento – Kompliment:

Complemento (auf Deutsch ‚Ergänzung‘) stammt vom lateinischen complementum („was füllt oder vervollständigt“), bestehend aus dem Präfix com-, dem Verb plere („füllen“) und dem Suffix –mentum („Mittel, Instrument, Ergebnis“).

Ein schmeichelndes Kompliment soll eine „Erfüllung des Gebots der Höflichkeit“ sein und ist abgeleitet vom spanischen cumplir („erfüllen“, „vollenden“). Mit einem Kompliment erfüllen wir sozusagen unsere Schuld, dem Anderen ein paar nette Worte zu sagen.

Im Spanischen ist ein Kompliment ein cumplido.

Curioso – Kurios:

Wenn wir curioso sind, sind wir interessiert und neugierig. Der Begriff stammt vom lateinischen cura im Sinne von „Sorgfalt“, „Fürsorglichkeit“. Im Deutschen bedeutet ‚kurios‘ seltsam, sonderbar, wunderlich oder merkwürdig. Es hat denselben Ursprung wie das spanische curioso, denn wenn etwas kurios ist, weckt es unser Interesse. Es beschäftigt uns. Ursprünglich bedeutete curiosisch bis ins 17. Jahrhunderte dasselbe wie curioso im Spanischen. Die Neuinterpretation erfuhr ‚kurios‘ ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Wenn im Deutschen etwas kurios ist, würde der Spanier es als raro bezeichnen.

Demostración – Demonstration:

Im Spanischen behielt dieses Wort bis heute die ursprüngliche lateinische Bedeutung: demostrare, beziehungsweise mostrare, bedeutet zeigen, aufzeigen.

Auch im Deutschen gibt es die Demonstration im Sinne von Darlegung oder Vorführung. Die zweite Bedeutung ist die einer öffentlichen Massenkundgebung. Es hat denselben Ursprung wie der spanische Begriff, zumal eine Demonstration ja auch eine öffentliche Darlegung ist, erfuhr jedoch im Laufe der Zeit diese Bedeutungsverschiebung.

Eine deutsche Demonstration ist eine spanische manifestación.

Desierto – Dessert:

Desierto bedeutet im Spanischen Wüste. Es stammt vom lateinischen desertus („unbewohnter Ort“).

Bereits die Aussprache lässt auf einen französischen Ursprung des deutschen ‚Desserts‘ deuten. Es ist abgeleitet von desservir („den Tisch nach beendeter Mahlzeit abräumen“).

In Spanien wird nach der Hauptmahlzeit der postre gereicht.

Ente – ente:

Beide Wörter werden exakt gleich geschrieben (abgesehen von der Großschreibung im Deutschen) und sehr ähnlich ausgesprochen, haben aber zwei komplett unterschiedliche Bedeutungen.

Ente im Spanischen bedeutet „Amt“ oder „Behörde“. Es stammt vom lateinischen entis, das wiederum eine konjugierte Verbform ist: der Genitivfall von ens, was der Partizip Präsens des Verbs esse („sein“) ist.

Die Ente als Schwimmvogel stammt vom althochdeutschen „anut“ und wurde im Mittelhochdeutschen zu „ant“ oder „ente“.

Extra-Info: Die Ente als Falschnachricht hat ebenso mit dem Schwimmvogel zu tun und stamme von französischen Redewendungen, wie vendre des canards à moitié („täuschen“) oder donner des canards à qn. „jmds. Erwartungen enttäuschen“.

Im Spanischen ist die Ente als Schwimmvogel el pato und als Falschnachricht el bulo.

Feria – Ferien:

Bereits im Lateinischen war ferĭa eine wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Veranstaltung. Heute werden in Spanien Messen, Jahrmärkte, Märkte und Feste feria genannt. Die jährlich in Madrid stattfindende Tourismusmesse ist die Feria Internacional del Turismo.

Auch die deutschen Ferien sind lateinischen Ursprungs: fēriae (Plur.) = „Festtage“, „Feiertage“, „an denen keine Geschäfte wahrgenommen werden“, „Ruhetage“. Heute nutzen wir den Begriff ‚Ferien‘ nur noch im schulischen Kontext.

Wenn die Kinder in spanischsprachigen Ländern für einige Zeit nicht zur Schule müssen, sind vacaciones.

Grifo – Griff:

Die Herkunft von grifo ist sehr interessant: Es ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen (gryphus), das wiederum aus dem Griechischen stammt. Es bedeutete unter anderem „lockiges“ oder „verwickeltes“ Haar und ist eine Anspielung auf die damals häufig aufwändig verzierten Wasserhähne.

Griff bedeutete bereits im Althochdeutschen „zufassen“ oder „anfassen“. Seit dem 17. Jahrhundert bezeichnet es auch den zum Anfassen bestimmten Teil eines Gegenstands.

Ein Griff im Sinne von „Greifen“ ist im Spanischen agarre. ‚Griff‘ als Teil das dem Festhalten eines Gegenstandes dient lautet auf Spanisch – je nach Gegenstand – mango (einer Pfanne oder Messers), tirador (einer Schublade), picaporte (Türklinke), asa (Henkel) oder puño (Türknauf).

Harto – Hart:

Harto stammt vom lateinischen fartus und bedeutet sowohl gesättigt, voll als auch satt (im Sinne von ‚etwas satt haben‘). ‚Hart‘ im Deutschen bedeutet ‚stark‘ oder ‚fest‘ und hat seinen Ursprung im Althochdeutschen. Bereits damals bedeutete es ‚fest‘, ‚rauh‘, ‚unbiegsam‘.

Ein harter Gegenstand ist im Spanischen duro.

Importe – Import:

Importe bedeutet im Spanischen ‚Betrag‘ oder ‚Summe‘. Sowohl der ‚Import‘ im Deutschen als auch importe im Spanischen haben ihren Ursprung im lateinischen importare: ‚von außen einbringen‘ oder ‚einführen‘. Die Idee ist dieselbe, der Bezug jedoch ein anderer. Im Spanischen werden damit Geldbeträge verzeichnet und im Deutschen Waren aus dem Ausland eingeführt.

In der spanischen Sprache ist der Import la importación.

Fazit nach Teil 2

Erneut sehen wir, dass es im Deutschen und Spanischen viele (sehr) ähnliche Wörter gibt, die nicht immer denselben Ursprung und noch seltener dieselbe Bedeutung haben. Eine Vielzahl der Wörter stammt aus dem Lateinischen, jedoch haben sie im heutigen Spanischen und Deutschen neue abweichende Bedeutungen erhalten.

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