Falsche Freunde im Deutschen und Spanischen (Teil 1)

Falsche Freunde Teil 1

Als falsche Freunde bezeichnet man Wortpaare aus verschiedenen Sprachen, die zwar sehr ähnlich aussehen, aber in ihren jeweiligen Sprachen eine unterschiedliche Bedeutung haben. Man kennt das Phänomen der false friends oder faux amis vielleicht noch aus dem Englisch- oder Französischunterricht. In diesem Blogeintrag geht es jedoch um die falsos amigos, die falschen Freunde im Deutschen und Spanien. In jedem Teil der dreiteiligen Serie stelle ich Euch zehn falsche Freunde vor, auch wenn es natürlich weit mehr als nur 30 Beispiele gibt.

Als Grundlage der Erklärungen wurden auf deutschsprachiger Seite die Einträge im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) und Duden genutzt, für die spanischen Begriffserklärungen nutzte ich das Diccionario de la lengua española der Real Academia Española und Diccionario Etimológico castellano en línea.

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Alto – alt:

Alto kennt im Spanischen zwei Bedeutungen: „hoch“ oder „Halt!“. Die erste Version entstammt dem Lateinischen altus, die zweite Bedeutung rührt vom Deutschen „halten“.

Das deutsche Adjektiv „alt“ kommt vom althochdeutschen alt und bedeutete bereits damals „reich an Lebensjahren, gealtert“, „vorausliegend, früher“ oder „längere Zeit bestehend“. Der deutsche Begriff soll jedoch auch mit dem Lateinischen altus im Sinne von „emporgewachsen“ verwandt sein.

Das deutsche „alt“ ist ins Spanische mit viejo, antiguo oder mayor zu übersetzen.

Absolver – absolvieren:

Das spanische Verb absolver stammt aus dem Lateinischen (absolvere) und bedeutet „von einer Strafe oder Verpflichtung freisprechen“.

Im Deutschen nutzen wir „absolvieren“, wenn beispielsweise eine Schul- oder Hochschullaufbahn abgeschlossen wird. Es entstammt ebenso dem Lateinischen absolvere. Wir Deutschsprachigen sehen also den Schulabschluss als eine Art Befreiung, beziehungsweise Freispruch von allen schulischen Verpflichtungen.

Wenn im Spanischen vom Schulabschluss gesprochen wird, werden die Verben terminar oder finalizar benutzt.

Ambulante – ambulant:

Das spanische Adjektiv ambulante kommt vom lateinischen ambulare, das „umhergehend“, „umherziehend“, „wandernd“ bedeutet. Ein Straßenverkäufer ist beispielsweise der vendedor ambulante, da er sich in der Straße bewegt.

Im Deutschen wird „ambulant“ im medizinischen Kontext als Gegenstück zu „stationär“ gebraucht. Auch „ambulant“ rührt von ambulare, aber weniger im Sinne von „umhergehend“ sondern „nicht ortsgebunden“.

Das deutsche Adjektiv „ambulant“ wäre im Spanischen ambulatorio: ambulante Behandlung = tratamiento ambulatorio

Arte – Art:

Arte bedeutet „Kunst“ – daher der Name des deutsch-französischen Fernsehsenders. Das Wort stammt vom lateinischen ars oder artis, was wiederum eine Fehlübersetzung des griechischen τέχνη (téchne) sein soll.

Im Deutschen stammt „Art“ im Sinne von „Eigentümlichkeit“, „Wesen“, „Gewohnheit“, „Verhalten“, „Weise“ oder „Abstammung“ vom mittelhochdeutschen art.

Balón – Ballon:

Im Spanischen bezeichnet man einen etwas größeren im Sport genutzten Ball, beispielsweise im Handball oder Fußball, als balón. Der Ball im Tennis oder Golf ist kein balón, sondern eine pelota. Balón ist der Augmentativ (Vergrößerungsform) des Worts bala. Bala wiederum stamme vom französischen balle, beziehungsweise fränkischen balla.

Im Deutschen bezeichnen wir als „Ballon“ zwar auch ein rundes Gebilde, jedoch keine Sportgeräte, sondern mit Gas gefüllte Gummibälle. „Ballon“ soll im 16. Jahrhundert über das Italienische seinen Weg in die deutsche Sprache gefunden haben (ital. pallone (wohl aus der norditalienischen Form mit b-Anlaut) „großer Ball“; eine Vergrößerungsbildung zum italienischen palla ‘Ball, Kugel’, das selbst germanischen (fränkischen) Urpsrungs sei).

Ein (Luft-)Ballon ist im Spanischen ein globo.

Bombón – Bonbon:

Beide Bezeichnungen stammen aus dem Französischen. Bonbon ist wortwörtlich mit „gut-gut“ zu übersetzen und soll der Kindersprache entstammen. Spanische bombones sind schokoladige Pralinen, während im deutschen Sprachgebrauch Bombons Zuckerplätzchen sind.

Die spanische Übersetzung für „Bombon“ ist caramelo.

Bravo – brav:

Im Spanischen ist bravo synonym zu „mutig“ und „tapfer“ oder aber auch „wild“ und „unkultiviert“, während wir im Deutschen ein braves Kind als gehorsam, folgsam und redlich beschreiben. Die vulgärlateinische Ursprungsbedeutung lautet „wild“ (brabus oder pravus). Auf seinem Weg aus dem Lateinischen über das Spanische, Italienische und Französische verlor der Begriff jedoch diese Bedeutung. Nur die Bedeutung „tapfer“ wurde übertragen. Ein gehorsames und wohlerzogendes Kind ist im Spanischen un niño bueno oder bien educado.

Bufete – Büffet:

Das spanische bufete rührt vom französischen buffet, wo es einen großen Tisch oder eine Anrichte bezeichnete. Bufete wird jedoch nur im Sinne von „(Anwalts-)Kanzlei“ benutzt (in Anlehnung an den erwähnten großen Tisch). Im Deutschen kennen wir Büffet als eine Anrichte, werden jedoch in Restaurants oder auf großen Feiern Speisen in Form eines Büffets gereicht, entspricht dies wieder dem Bild eines großen Tischs.

Wenn es in einem spanischsprachigen Land ein Büffet, also Gerichte zur Selbstbedienung, gibt, wird das bufé genannt.

Camino – Kamin:

Im Spanischen ist der camino der Weg. Der Begriff stammt vom vulgärlateinischen cammīnus, das wiederum vom Keltischen cammin, beziehungsweise cam, stammt und „Schritt“ bedeutet.

Der „Kamin“ als Feuerstelle stammt aus dem Mittelhochdeutschen (kamīn), das eine Entlehnung aus dem Lateinischen (camīnus „Feuerstätte, Schmelzofen“) sei.

Ein Kamin ist im Spanischen una chimenea.

Caseta – Kassette:

Als casetas werden im Spanischen kleine Häuschen bezeichnet, beispielsweise auf Messen oder Jahrmärkten. Hundehütten sind casetas para perros. Es handelt sich grammatisch um den Diminutiv (Verkleinerungsform) von casa. Bereits im Lateinischen wurden Behausungen und ähnliche Gebäude casa genannt.

Die heute seltener anzutreffenden Kassetten – seien es Tonkasetten oder Videokasetten – heißen im Spanischen casetes oder cintas. Auch der deutsche Begriff stammt aus dem Lateinischen, jedoch von capsa (im Sinne von „Behältnis“, „Kasten“), was im Italienischen zu cassa wurde. Somit haben „Kassette“ und „Kasse“ den gleichen Ursprung.

Fazit nach Teil 1

Es ist sehr interessant zu beobachten, wie ähnlich sich zahlreiche Wörter im Deutschen und Spanien sehen, obwohl es sich um eine germanische und eine romanische Sprache handelt. Häufig liegt der gemeinsame Ursprung im selben lateinischen Begriff. Im Laufe der Zeit entwickelten sich jedoch in den jeweiligen Sprachen Bedeutungsunterschiede, die bis heute Bestand haben. Manche Wortpaare, wie caseta und Kassette, entstammen zwar vom selben lateinischen Wort, haben aber im modernen Deutschen und Spanischen eine völlig andere Bedeutung. Das Beispiel „arte/Art“ zeigt auf, dass auch sehr ähnlich aussehende Wörter unterschiedlicher Sprachfamilien entstammen können und gar nicht verwandt sein müssen.

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